Mascot Fur Life – Unser Review

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Seit dem Tag der ersten Idee zum Film bis zur Premiere des selbigen sind einige Tage ins Land gezogen. Am 17. Dezember 2016 war es allerdings endlich soweit: Mascot Fur Life hatte seine Weltpremiere! Nachdem der eigens angeschaffte rote Teppich ausgerollt war, wurde einem geneigten Publikum in einem kleinen Kino in Merklingen das harte Leben eines werdenden Maskottchens vorgeführt.

Unsere Redaktion wäre natürlich gerne persönlich dabei gewesen, musste sich aus Zeitgründen dann aber leider mit einer URL zum Film begnügen. Einen kurzen Trailer und eine Zusammenfassung der Story findet ihr gleich hier.

In unserem Kurz-Review wird sich zeigen, ob Willion nicht nur seinen Coach Berkwolf, sondern auch unsere Herzen zum Jubeln bringen konnte.


Erstmals sei angemerkt, dass es sich insbesondere in Hinsicht auf die fehlende Mimik von Fursuitern um kein einfaches Unterfangen handelt, einen Film zu drehen, welcher die Zuseher für längere Dauer fesseln und auf einer emotionalen Ebene berühren kann. Gesichtsmuskeln fehlen gänzlich, Gefühlsentgleisungen jedweder Natur sind daher nur schwer vermittelbar. Hier können also nur der entsprechende Schnitt, die menschlichen Darsteller, eine entsprechende Gestik der bepelzten Darsteller und die Filmmusik eine Gefühlsreaktion auslösen. Selbstverständlich sollte der Plot sein Übriges leisten.

Ist Jens Wernstedt all dies mit „Mascot Fur Life“ gelungen? Die Antwort ist auf jeden Fall ein laut gebrülltes „Ja!“.


Die Gestik der flauschigen Darsteller ist zu keinem Zeitpunkt übertrieben und überzeugt insbesondere in Szenen, wo Hände/Pfoten mehr sagen als jedes gesprochene Wort. Dies ist insbesondere bei der Job Interview Szene mit Julia Fechner (Talentfinderin im Film) und Willion wunderbar zu sehen. Auch in den Szenen mit dem Interviewer der Mascot Fur Life „Mockumentary“ zeigen die handelnden Fursuiter, dass Sie im Stande sind die Szene richtig zu erfassen und mit vollem Körpereinsatz zum Leben zu erwecken.

Die eingesetzten menschlichen Schauspieler wirken ebenfalls glaubhaft und stellen eine tatsächliche Bereicherung für den Film dar. Nie wirken diese fehl am Platz und bilden stets eine harmonische Einheit mit den flauschigen Protagonisten des Films.

Sprache, wo sonst keine Sprache ist

Interessant ist auch die Tatsache, dass für den Film professionelle Sprecher engagiert wurden. Allerdings wohl kaum verwunderlich, da man im Pelzkostüm keinen geraden Satz herausbekommt, geschweige denn, dieser auch noch verstanden bzw. tontechnisch verwertet werden kann.

In den Sprechrollen waren unter anderen Kevin Kasper (Willion), Jörg Schäfer (Coach Berkwolf) und Stefan Müller Doriat (Ballu und Skeppo) zu hören. Qualitativ stehen die Aufnahmen größeren Produktionen in Nichts nach (kein Wunder, immerhin wurden diese in einer eigens umgebauten Sauna gemacht) und wirken glaubhaft und authentisch. Einzig Coach Berkwolf hätte in einzelnen Szenen weniger brummig und männlich klingen und stattdessen die Stimmung der Szene etwas besser einfangen können.

Licht, Kamera uuuund Action!

Was ebenfalls bereits nach den ersten Minuten auffällt, ist das Gespür des Regisseurs für Kamera, Bildkomposition und Schnitt. Dies ist jedoch wenig überraschend, wenn man den Hintergrund des Regisseurs Jens Wernstedt kennt. Dieser arbeitet schon seit einiger Zeit als Cutter beim deutschen Fernsehsender SWR und steht in seiner Freizeit selbst auf der Bühne. Selbstverständlich garantiert diese Erfahrung noch keinen guten Film, trägt allerdings entscheidend dazu bei, dass aus dem Machwerk kein Flop wird.

Dass hier Wert auf die Ausarbeitung eines Storyboards gelegt wurde, ist absolut zu erkennen. Viele Kapitel in Willions Werdegang wirken alleine durch die Platzierung der Kamera, die durch ihre Bewegung (oder eben ihr Nichtbewegen) die Szene wunderbar beschreibt.

Selbst auf dezent eingebaute Spezialeffekte wurde nicht verzichtet. Ein Stadion mit ein paar tausend Statisten füllt sich eben doch nicht einfach so.

Die richtige Dynamik erhält der Film natürlich auch durch seinen mitreißenden Soundtrack. Manuel Schuller aka DJ MaCiD hat hier ganze Arbeit geleistet und Stücke komponiert, die dem Zuschauer das Gefühl geben mit Willion auf dem Platz zu stehen, noch die letzten paar Meter zu rennen, auch wenn man nicht mehr kann. Trotz einiger sehr intensiver und prominenter Stücke, bleibt die Musik zum Großteil im Hintergrund und wirkt dort unterstützend.

Weitere Stücke von DJ MaCiD findet ihr auf seiner Soundcloud:

Boxende Maskottchen und tanzende Wölfe

„Mascot Fur Life“ vermag selbstverständlich nicht nur auf technischer Ebene zu begeistern. Willions Weg zu seinem Traumberuf lässt den Zuschauer kaum unberührt, und manche Dialoge treffen durchaus ins Herz. Anzukreiden ist hier lediglich der teilweise etwas fehlende Bezug zu den tatsächlichen Tätigkeiten eines Maskottchens. Willion trainiert in fast allen Szenen auf Ausdauer und scheint sich kaum Zeit für Choreografien zu nehmen, die für seine Rolle als Cheerleader in Kuscheltiergestalt essentiell sein dürften. Dies ist auch einer der Hauptkritikpunkte des Films, wird aber unter anderem dadurch relativiert, dass es sich beim Regisseur und Darsteller nicht unbedingt um einen Spitzensportler handelt (Annahme der Redaktion, nicht bös‘ sein Jens ;3).

Einzelne Szenen wurden auch absichtlich an berühmte Underdog Filme wie die „Rocky“ Filmreihe angelehnt. Diese sind  der Vorlage sogar zeitlich exakt angeglichen worden. Die „Rocky“ Filme sind auch die offensichtlichste Inspirationsquelle des Films.

Mit seiner zeitlosen Message „Egal wo du herkommst, wie du aussiehst oder was dein sozialer Hintergrund ist, du kannst alles erreichen wenn der Wille da ist“ fällt es stets leicht sich mit den handelnden Charakteren zu identifizieren. Schliesslich hat jeder einen Traum, den er gerne verwirklichen möchte.

Wie geht es nun weiter?

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Momentan ist der Film noch bei 15 verschiedenen Filmfestivals anhängig und hofft, von den dortigen Veranstaltern aufgenommen zu werden. Weiters wird versucht, den Film außerhalb von Deutschland ins Kino zu bringen. Wien mit seiner ganz eigenen Filmkultur könnte hierbei durchaus ein erstes Ziel sein.

Im Lauf dieses Jahres ist mit einer Veröffentlichung auf beliebten On Demand Streamingdiensten wie Amazon oder Vimeo zu rechnen.

Auch ist bereits ein neuer Film aus der Feder von Regisseur Jens Wernstedt in Planung. Dieser wird allerdings eine vollkommen andere Handlung aufweisen.

Wir drücken dem Team hinter „Mascot Fur Life“ jedenfalls alle Daumen, dass der Film bei möglichst vielen Filmfestivals angenommen werden wird und wünschen viel Erfolg für alle kommenden Projekte.

mly

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