IMVUgate: Teil 1 – was war, was wird

In einem früheren Beitrag haben wir den Verkauf von Fur Affinity an IMVU kurz umrissen. Heute wollen wir uns einmal genauer anschauen, was der Verkauf für Kunstliebhaber und Künstler bedeuten kann. Aufgrund des Umfangs wird hieraus auch eine mehrteilige Artikelreihe entstehen. Teil 1 beschäftigt sich mit der Akquise an sich.

Mittlerweile dürfte klar sein, dass der Verkauf den bisher größten Supergau ausgelöst hat, den Fur Affinity je gesehen hat. Trotz der felsenfesten Überzeugung der Betreiber, dass es zum Besten der weltweit größten Online Community für das Fandom sein soll, bleiben viele weiter skeptisch. Und man kann es ihnen auch nicht einmal so recht verübeln.

Zwischen Verschwiegenheit und Beschwichtigung

Die Betreiber von Fur Affinity sind derzeit wie so oft um Schadensbegrenzung und Beschwichtigung bemüht. Wirklich wichtige Fragen werden jedoch nicht oder bestenfalls nur schwammig beantwortet.

Beispielsweise wird nirgendwo genauer beschrieben, was mit oder wie das „zum Besseren wenden“ gemeint ist. Man kann nur spekulieren, ob es sich dabei um das längst überfällige Interface Upgrade „Project Phoenix“ handelt, der DDoS Schutz effektiver wird, die Codebase ausgemistet wird und somit die zur Verfügung stehenden Ressourcen effektiver genutzt werden, ein User-Zuwachs erwartet wird oder die Seite nicht mehr auf die Großzügigkeit seiner User angewiesen sein muss, die an diesem Morgen die Spendierhosen aus dem Schrank gezogen haben.

I understand that, but I entered into an NDA and an agreement, a binding contract. Thus, the details are literally not mine to give. Period.

— Dragoneer, Fur Affinity Foren

Vielen ist es auch ein Rätsel, wer eine Geldvernichtungsmaschine wie Fur Affinity kaufen wollen würde. Wie wir alle wissen generiert Fur Affinity keine eigenen Einnahmen und hat sich bisher durch Spenden seiner Mitglieder finanziert. IMVU hingegen ist ein gewinnorientiertes Unternehmen und kann es sich auch nicht leisten den Wohltäter in der Not zu spielen. In diesem Zusammenhang wirft das die Frage auf, was sich IMVU von Fur Affinity verspricht. Bestätigt sind bislang nur „unauffällige Werbebanner“, das war’s aber auch schon, kein wie, kein wo, kein was. Eine berechtigte Frage, ob es nicht weitaus kostengünstiger gewesen wäre nur den „Ad space“ zu kaufen, anstatt die ganze Seite, wurde ebenfalls schon in den Raum geworfen. Derzeit rechnen viele im Hinblick auf eine eventuelle Monetarisierung der Webseite mit dem Schlimmsten. Sowohl Fur Affinity als auch IMVU User sind alles andere als begeistert über die Akquise und äußern ihren Unmut in den jeweiligen Foren-Threads.

Die Übernahme würde sich natürlich um einiges leichter in ein positives Licht rücken lassen, wenn die Vertragsbedingungen offengelegt würden. Dem steht jedoch ein NDA (non-disclosure agreement, „Geheimhaltungsvertrag“) entgegen, d. h. die Betreiber dürfen sich zu den Details also gar nicht äußern. Demnach werden die Betreiber den wirklich wichtigen Fragen weiterhin eine Antwort schuldig bleiben. Somit ist auch das Versprechen für „mehr Transparenz“ passé.

We think that by supporting FA they can build a better experience and bigger community and make something more valuable for IMVU, FA and the furry community in general.

— A Q&A with IMVU CEO Brett Durrett, Fur Affinity

Ein paar Tage und Bekanntgaben auf dem Maskottchenaccount später äußert sich auch der CEO von IMVU zu einigen Fragen, die die Fur Affinity User gestellt haben. Enttäuschenderweise ist darin nicht sehr viel mehr neuer Aussagen-Inhalt enthalten, als von dem, was wir schon längst von Fur Affinity selbst vorgesetzt bekommen haben. Vermutlich geht man davon aus, dass wenn der CEO von IMVU die Aussagen unterstützt bzw. sie nochmal von ihm selbst geäußert werden, dass das dem ganzen mehr Glaubwürdigkeit und Authentizität einverleibt. Eine Antwort dieses neuen Q&A auf die Frage eines Fur Affinity Users liest sich jedoch wie ein Freud’scher Versprecher („[…] something more valuable for IMVU […]“). Was die Frage weniger beantwortet, als dass es noch mehr Skepsis über IMVUs wahre Absichten aufwirft.

Ein Paradies für Hehler?

Ein weiterer Verdacht der vor allem Künstler zusammenzucken lässt ist die Befürchtung, dass sich IMVU das vollumfängliche Recht einräumt die Inhalte auf Fur Affinity für seine eigenen Dienste zu verwerten, ohne die Künstler an den daraus entstehenden Gewinnen angemessen zu beteiligen.

Derzeit stellt sich die Sachlage noch so dar, dass IMVU auf die AGB von Fur Affinity verweist und sowohl Fur Affinity als auch IMVU beteuern, dass eine Verwertung der Inhalte von Fur Affinity nicht vorgesehen ist.

Das hat bisher aber etwaige Langfinger nicht davon abgehalten in den Store für Drittanbieter-Items plagiierte Inhalte einzustellen. In den Foren von Fur Affinity häufen sich derzeit die Berichte von „Art Theft“ und beide Betreiber waschen ihre Hände in Unschuld, was ja derzeit auch nicht fernab der Wahrheit ist. Fur Affinity und IMVU stellen ausdrücklich klar, dass die Inhalte von Dritten eingestellt wurden, die in keiner Verbindung zu Fur Affinity oder IMVU stehen.

„Wenn überhaupt beweist die Masse an Plagiaten auf IMVU wie beliebt die Artworks sind und warum IMVU Furries möchte.“ Ein (mittlerweile gelöschter) unüberlegter Tweet von Dragoneer zur Plagiat-Situation im IMVU Store, der die Gemüter weiter erhitzt hat. Powered by: Streisand Effekt

Weder IMVU noch die Lizenznehmer können für Schäden, die sich aus der Nutzung, Anzeige, dem Kopieren oder Herunterladen von Materialien, Drittanbieter-Inhalten oder eingesendeten Artikeln für die Site in Haftung genommen werden. In keinem Fall haften IMVU oder die Lizenznehmer für Schäden an Ihrer Gesundheit oder für Schadensersatz aus mittelbaren und außerordentlichen Schäden, für verschärften Schadensersatz und Strafzuschläge, für konkrete oder beiläufige Schäden bzw. Folgeschäden (einschließlich Datenverlust, entgangenen Einnahmen und entgangenem Gewinn, Nicht-Nutzbarkeit und sonstigen wirtschaftlichen Nachteilen), selbst wenn IMVU bzw. die Lizenznehmer Kenntnis von der Möglichkeit solcher Schäden hatten.

IMVU Nutzungsbedingungen, Abschnitt „Haftungsbeschränkungen“

Künstler sind aufgerufen einen sogenannten „DMCA takedown request“ einzureichen, wenn sie ihre Werke im Store sehen, ohne ihr Einverständnis hierfür gegeben zu haben. Das ist aber mit Bürokratie verbunden und es ist nicht wirklich garantiert, dass der Antrag durch kommt. Und selbst wenn würde sich daraus wohl oder übel ein Katz-und-Maus-Spiel ergeben, das mehr kreative Energie frisst, als das ganze Unterfangen wohl wert wäre und eine Entschädigung ist nicht garantiert. Außerdem ist der DMCA eine Rechtsgeschichte aus den USA. Von außerhalb der USA einen solchen takedown request zu stellen dürfte sich schwierig gestalten und IMVU schließt Schadensersatzforderungen kategorisch aus (siehe Auszug rechts).

Auch das „Flagging“ ist nicht ohne Account möglich, da dann ein Login verlangt wird und nur um Plagiate zu flaggen werden sich wohl die wenigsten einen Account anlegen. Denkbar wäre darüber hinaus auch, dass das massenhafte flaggen von Inhalten im Store Skepsis bei den IMVU Angestellten auslöst und der Account gebannt wird, weil man nichts anderes macht.

Das Problem ist aber keines, das es in anderer Form im Internet nicht schon vorher gegeben hätte. Auch sind schon weit vor dem Zeitpunkt der Akquise Bilder von Fur Affinity im IMVU Store ohne die Einwilligung der Künstler gelandet. Es sollte jedoch erwähnt werden, dass das ein generelles Problem im Internet ist, nicht eines der Akquise von Fur Affinity durch IMVU.

Besitzerfrage umstritten

Mit der Akquise durch IMVU stellen User auf Fur Affinity mehrfach die Alleinherrschaft von Dragoneer in Frage. Dragoneer selbst hat bestätigt, dass er nun ein Angestellter IMVUs ist. Rein theoretisch bedeutet das, wenn sein Arbeitsvertrag anuliert bzw. nicht verlängert wird oder er sich weitere PR Desaster leistet (siehe oben) und IMVU anfängt ihn als Geschäftsschädigend zu betrachten, kann er leicht seines Amtes enthoben werden. Dann wäre es weiterhin plausibel anzunehmen, dass IMVU sich Fur Affinity annimmt und jemand aus dem IMVU Team die Leitung übernimmt, inkl. Änderungen an den Nutzungsbedingungen, die wohl den wenigsten gefallen werden.

sbn

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